Wie eine Ordnungstherapie dein Leben verändert

Eine unordentliche Wohnung zeugt von seelischer Unruhe, aber eine ordentliche Wohnung zeugt nicht von seelischer Ruhe. Hilfe bei Depressionen auch für Messies: kognitive Verhaltenstherapie in Hannover

Bring dein Leben in Ordnung

 

Ich ärgere mich, dass ich das Buch "Magic Cleaning" nicht selbst geschrieben habe. Mein eigenes Konzept der Ordnungstherapie deckt sich sehr weit mit der sog. KonMari-Methode der Japanerin Marie Kondo für das perfekte Aufräumen und sie ist damit Bestseller-Autorin geworden. Sie schreibt wirklich unterhaltsam und lehrreich und ihre Leser erhalten auf 221 Seiten eine sehr einfache Anleitung, mit der man Ordnung in großen und kleinen Räumlichkeiten schaffen kann. 

 

Gelegentlich zeigt sie die Zusammenhänge auf, zwischen der inneren Ruhe in einer gesunden Seele und der äußeren Klarheit in den Lebensräumen, die diese Seele ausfüllt. Sie zitiert ein japanisches Sprichwort "Die Unordnung im Zimmer entspricht der Unordnung im Herzen", und resümiert "der Zustand der Unordnung weist also immer auch auf ein psychisches Problem hin." 

 

Noch unordentlich oder schon verrückt?

 

Obwohl ich das in vielen Fällen aus meiner Heilpraxis für Psychotherapie bestätigen kann, scheint es mir eine typisch japanische oder eben typisch deutsche Sichtweise zu sein. Beide Mentalitäten sind als äußerst diszipliniert bekannt und wenn Japaner oder Deutsche einmal keine Disziplin zeigen, stimmt mit uns etwas psychisch nicht, oder was?? Genau genommen ja, denn als verrückt gilt alles, was nicht der Norm entspricht und wenn jemand außergewöhnlich unordentlich ist, liegt er außerhalb der Norm, ebenso, wenn jemand außergewöhnlich ordentlich ist. Allein das Wort "außergewöhnlich" weist darauf hin, dass es sich um etwas "Verrücktes" handelt, es entspricht nicht dem inneren Kreis der Norm und befindet sich außerhalb der Normalitätsgrenzen, ist also mehr oder weniger verrückt. Messies haben juristisch gesehen das Recht auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit und hier hat der Gesetzgeber den Rahmen sehr weit gesteckt: so lange sie nicht sich selbst und anderen schaden, dürfen sie in Unordnung leben, wenn sie das wollen. Nur bezweifeln Psychologen, dass Messies wirklich so leben wollen. Doch so lange sie nicht úm Hilfe bitten, kann man ihnen nicht helfen.

 

Doch abgesehen von den wunderbaren japanischen Aufräumtipps der Marie Kondo, die jeder beherzigen sollte, der wieder Klarheit, Ruhe und Frieden in seiner Umgebung herbeisehnt, postuliert sie auch, dass die innere Ordnung sich automatisch einstellt, wenn im äußeren alles klar ist. Und auch das kann ich aus meiner Praxiserfahrung heraus bestätigen. 

 

Der Blick einer Aufräumberaterin liegt naturgemäß mehr auf den materiellen Dingen in den Zimmern als auf dem Innenleben ihrer Kunden. Interessanterweise empfiehlt sie aber, der unbelebten Materie ein imaginäres Seelenleben zuzugestehen. So rät sie, sich von jedem einzelnen Stück, von dem man sich trennen wird, zu verabschieden und sich bei ihm für die Zeit zu bedanken, in der es einem Freude gemacht hat. Sicher fällt es auch nicht-abergläubischen Aufräummuffeln durch dieses Ritual leichter, sich von sinnlosen Sachen zu trennen. 

 

Die innere Ordnung 

 

Ich empfehle dagegen, den Blick noch mehr auf das Innenleben der sich nach Ordnung Sehnenden zu lenken: Was ist da los? Was raubt da so viel Kraft, dass man keine Lust mehr hat, sich zu bücken oder den Staubsauger hervorzuholen? Das  Äußerliche verwahrlost relativ langsam. Es müssen im inneren schon lange viele Scharmützel stattfinden, wenn eine deutsche oder japanische Person es vorzieht, nach außen hin nicht mehr perfekt erscheinen zu wollen. Auch hier darf man nicht pauschalisieren: Ordnung ist relativ. Die einen finden es erst ordentlich, wenn es aussieht, wie in einem Möbelhauskatalog und die anderen finden es komplett in Ordnung, wenn sie wissen, wo sie alles wiederfinden. 

 

Die Weltordnung

 

Die Idee der Ordnungstherapie nach Sebastian Kneipp ist natürlich größer und auch mein Konzept, das sich daran anlehnt: es geht darum, im Einklang mich sich selbst und mit der Umgebung zu sein. Das mag für viele spirituell klingen und  damit haben sie auch Recht: Sebastian Kneipp war Pfarrer. Und wer über das Leben und Gott und Jesus Christus nachdenkt, kommt immer auf den Begriff Frieden. Jesus Christus wusste, wie wichtig es für den inneren Frieden ist, seinen Feinden zu vergeben. Ohne Vergebung kann kein innerer und äußerer Friede herrschen und ohne einen eigenen äußeren Raum, in dem wir wir unseren persönlichen Frieden finden und zur Ruhe kommen können, kann auch kein innerer Friede herrschen. Deshalb musst du deine eigene Ordnung errichten. Diese gilt aber nur für dich, du darfst sie anderen nicht aufzwingen. 

 

Wenn du Frieden willst, erkenne, dass alle Menschen sich mit allen anderen Menschen, den Tieren und Pflanzen und der unbelebten Natur eine Welt teilen müssen. Schaffe darin die Ordnung in der du deinen richtigen Platz findest, an dem du glücklich sein kannst. Und misch dich nicht in die Glücksvorstellung anderer Leute ein.

 

Ordnung ist nur das halbe Leben

 

Dennoch muss ich gestehen, dass äußere Ordnung nicht automatisch zu innerem Frieden führt. Ich habe zu viele Wohnungen gesehen, die tiptop gepflegt und aufgeräumt aussahen, aber das Innenleben der einen Bewohner war ein einziges, verkrampftes Chaos, das der anderen eine unendliche erscheinende Blockade aus Leere und abgekapselter Trauer.

Wenn du diesen Beitrag teilen, liken oder kommentieren willst, sei dir bewusst, dass du automatisch einen Teil deiner Privatsphäre aufgibst. Ich freue mich genauso über eine Email oder eine Snailmail an Dr. phil. Ariane Windhorst, Heilpraxis für Psychotherapie (HPG), Cäcilienstraße 19, 30159 Hannover oder einen Anruf: 0163-2612934. WhatsApp habe ich übrigens nicht.