Unaussprechliches anpacken

Was bringt Kommunikationstraining in Firmen und Beziehungen?

Wer jetzt gedacht hat, super, da hole ich mir einen Kommunikationstrainer* und der sagt dann meinem Partner oder meinem Chef**, was Sache ist, die hat sich leider geirrt. In gewisser Form entsteht zwar schon der gewünschte Effekt, aber nicht dadurch, dass dir ein Trainer die unangenehme Arbeit abnimmt, sondern dadurch, dass du lernst, wie man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden kann. Ganz oft geht es in meiner Heilpraxis für Psychotherapie in Hannover Döhren nämlich um Feigheit.

 

Aufhören, beliebt sein zu wollen

 

Alle, die Probleme damit haben, Probleme anzusprechen, möchten sich nicht unbeliebt machen.

 

Sie haben Angst vor Rache, einem Wutanfall oder Kündigung bei der nächsten Gelegenheit. Meistens ist sie unbegründet, aber leider manchmal durchaus berechtigt, denn es gibt auch im 21. Jahrhundert noch Vorgesetzte, die zu Ungerechtigkeit, Selbstherrlichkeit und cholerischen Anfällen neigen und der Arbeitnehmerschutz ist auch nicht mehr das was er mal war.

 

Es gibt Menschen, die nicht in Führungspositionen sein sollten, aber es trozdem sind und mit denen musst du einfach lernen, umzugehen. Nicht die mit dir, denn das ist nun einem das Wesen von Hierarchien. So sind die Regeln.

 

Aber auch in der Partnerschaft traut man sich oft nicht, das zu sagen, was man denkt. Komisch, wo man sich doch liebt...? Aber manchmal behandeln wir ausgerechnet die, die wir am meisten lieben, irgendwie am verkorxstesten.

 

Veränderung kollidiert immer Eitelkeit

 

Richtig ist, dass es Erwachsenen oft sehr schwer fällt, ihre Muster zu verändern, auch wenn sich diese Muster als schlecht erweisen. Sie reagieren ersteinmal mit Ablehnung auf Veränderungswünsche.

 

Veränderungen sind für viele Menschen eine Bedrohung, sie fühlen sich persönlich abgelehnt, wenn man etwas an ihrem Lifestyle oder Arbeitsstil in Frage stellt oder verändern möchte. Berücksichtige das.

 

Ganz oft schätzt man aber auch die Reaktion seiner Gesprächpartner tatsächlich falsch ein, denn viele intelligente Gesprächspartner sind durchaus dankbar, wenn man ihnen die Augen öffnet. Es kommt nur darauf an, wie. Der Ton macht die Musik und man kann das in Kommunikationstrainings üben. Das Wichtigste ist, zu trainieren, selbstbewusst zu bleiben und sich nicht in die Enge oder in eine Rechtfertigungsschleife treiben zu lassen.

 

Selbstmord aus Angst vor dem Tod

 

Im Job ist es so: Wer aus Angst vor Kündigung immer schön die Schnauze hält, fällt auch nicht unangenehm auf. Diejenigen, die schön mit dem Strom schwimmen und nur hintenrum lästern, wie scheußlich wieder einmal alles ist, werden befördert und überlassen den Mutigen den Schleudersitz.

 

Das war schon immer so. Feigheit ist ein probater Schutz vor Ärger, Kündigung und Privilegienentzug, aber sie löst nun einmal keine Probleme. Und wer den Betriebsrat nicht involviert, bekommt von dort auch keine Hilfe.

 

In der Beziehung ist es ähnlich: Man schluckt alles runter, was einem nicht gefällt, versucht sich so zu verhalten, wie der andere es will, damit man später "zur Belohnung" auch einmal seinen eigenen Willen kriegt. Das kann man so machen...

 

Wer es nicht probiert, kann nich scheitern

 

Deine Gesprächspartner oder Vorgesetzten denken womöglich die ganze Zeit, na, geht doch, weil niemand mutig genug ist, sie über unangenehme Entwicklungen in Kenntnis zu setzen.

 

Wenn wir die Angst vor dem Scheitern zugunsten einer neuen, gemeinsamen Lern- und Weiterentwicklungskultur, ablegen könnten, dann gäbe es die Chance auf einen höheren Zufriedenheitsgrad. Du musst schon mitmachen, um einen Kulturwandel herbeizuführen, denn ein Verharren im gegenwärtigen Zustand ist ein "Ja" zu diesem Zustand und macht ihn nur immer schlimmer.

 

Viele Unternehmen haben ein sogenanntes Vorschlagswesen, also ein Konzept, wie es mit Vorschlägen aus der Belegschaft umgeht. Auch wenn es bei Euch nicht institutionalisiert ist, wird dir niemand die Tür vor der Nase zuschlagen, wenn du deine Vorgesetzten fragst, ob du mal einen Vorschlag machen kannst. Und genauso ist das in einer Beziehung, der Andere wird immer sagen: ja, klar.

 

Was würdest du tun, wenn du keine Angst hättest?

 

Wenn du keine Angst hättest, dich unbeliebt zu machen, würdest du deine eigenen Ideen aussprechen. Und wenn du eine Chefin hättest, die dir ins Gesicht sagt, dass du genau dafür eingestellt worden bist, dann wäre alles in Ordnung. Genauso wäre es mit dem richtigen Partner, der würde sagen: "genau dafür bin ich mit dir zusammen".

 

Du kannst deinen Chef oder deinen Partner nicht ändern, aber vielleicht überzeugen

 

Du bist durchaus in der Lage, eine bessere Gesprächskultur schaffen, in der neue Ideen fair gegeneinander abgewogen werden. Du hast ein Recht darauf, dass deine Chefs kluge Entscheidungen aufgrund einer guten Datenlage treffen, denn genau dafür sind die eingestellt worden. Ohne Witz.

 

Trotzdem musst du mit einem "Nein" rechnen und dann darfst du nicht beleidigt sein. Das ist ein Reflex, den viele Machtmenschen nicht kontrollieren können. Aber wenn du abwarten kannst, wirst du sehen, dass dein Anstupser etwas bewirkt.

 

Zwischenlösung für Halbmutige: Vorschlagswesen

 

Wenn du dich nicht traust, die Probleme in deiner Firma oder Beziehung  anzusprechen, dann gehe auf deinen Vorgesetzten/Partner zu und schlage einfach mal ein Vorschlagswesen für die Firma/Beziehung vor.

 

Das könnte im Büro ungefähr so vonstatten gehen:

 

"Darf ich mal einen Vorschlag machen?"

 

"Ja, natürlich"

 

"Können wir mal ein Vorschlagswesen implementieren?"

 

"Wieso?"

 

"In großen Konzernen werden Ideen von Mitarbeitern belohnt, die sich positiv auf das Unternehmen ausgewirken, z.B. wie man Wasser sparen kann oder so. Auch wenn sie gar nicht dafür zuständig sind. Das könnten wir doch hier auch einführen, oder?"

 

"Meine Tür steht immer offen, sag ich doch."

 

Ja, das weiß ich, aber manche trauen sich nicht, etwas vorzuschlagen, aus Angst sich bei Ihnen unbeliebt zu machen"

 

"Was? Bei mir macht sich niemand unbeliebt, ich bin immer offen für neue Vorschläge."

 

"Super, wann kann es losgehen?"

 

"Hm, machen Sie doch mal ein Konzept."

 

So oder ähnlich könnte ein Dialog aussehen, wenn man nicht als Bittstellerin sondern als selbstbewusste Botschafterin in das Gespräch geht, also als jemand, der die Botschaft der Belegschaft überbringt.

 

Setzt Euch vor Eurem Gespräch das Ziel, nicht ohne konkrete Handlungsanweisung bzw. Termin rauszugehen und lasst Euch möglichst nicht mit irgendetwas Lapidarem abspeisen. Sollten trotzdem solche Wischiwaschi-Antworten kommen, kann man entweder etwas hartnäckiger werden oder man muss geduldig bleiben und es öfter mal ansprechen.

 

Wichtig ist, dass deine Vorgesetzten merken, dass es ihnen zu Ruhm und Ehre gereicht, wenn sie deinen Vorschlag annehmen. So macht es Kanzlerin Merkel mit Verhandlungspartnern: sie lässt sie ihr Gesicht wahren. Die denken, sie selbst hätten diese guten Ergebnisse erreicht.

 

Wenn man deinen Vorschlag ablehnt, hast du zwar das Recht, nach einer besseren Lösung zu fragen. Allerdings gibt es (testosterongesteuerte?) Vorgesetzte, die erstmal alles schlecht machen und es nicht leiden können, wenn jemand ihre Entscheidungen infrage stellt. Wenn du so einen hast, stell dein Anliegen erst einmal wieder zurück und warte ab.

 

Kommt nichts Besseres von denen, ist das erst einmal gar nicht schlimm. Nach einer Weile wirst du sehen, dass sie mit der selben Idee etwas später von selbst wieder ankommen, nur denken sie dann tatsächlich, sie wären selber darauf gekommen. Das ist keine böse Abscht, sie können sich wirklich nicht mehr an das erinnern, was du gesagt hast, weil sie glauben, dass eine gute Idee nur von ihnen selbst kommen kann. Deshalb verbiegen sie die Realität.

 

Du brauchst nur etwas Geduld. Und du musst lernen, damit zu leben, dass diese Leute anderen keine Lorbeeren gönnen. Schon gar nicht Frauen. Diese Art Menschen wird dich nicht feuern, wenn du ihnen das Gefühl gibst, sie seien immer die Besten und die Größten. Sie wird dich aber auch nie feiern, sondern höchstens mal dafür loben, dass du da bist.

 

Was im Job ein paar Jahre gut gehen mag, funktioniert in einer Partnerschaft auch, aber es macht dich nicht glücklich: Schauspielerei, Schleimerei, Kratzbuckeln.

 

Den Vorteil des Anderen berücksichtigen

 

In einer Partnerschaft solltest du deinem Partner das Gefühl vermitteln, dass er dabei auch gewinnt, wenn er deinem Vorschlag folgt. Ist doch logisch. Wenn er keine Vorteile dadurch hätte, weshalb sollte er sonst einwilligen?

 

Das bessere Argument zählt

 

Lass dich  in deiner Partnerschaft nicht abspeisen mit einem "Nein", nur weil er seinen eigenen Vorteil nicht erkennen möchte und es sein Bedürfnis ist, jetzt "Nein" sagen zu wollen. Du hast ein Recht auf ein gutes Argument. In einer Partnerschaft zählt immer das bessere Argument, sonst ist es Unterdrückung.

 

Das gilt jedenfalls in der Beziehung. Im Beruf funktioniert das leider nicht immer. Da muss man sich gelegentlich abspeisen lassen mit einem "Weil ich das so will" - das mag zwar kindisch sein und schwer zu ertragen, aber manchmal ist ein Gehalt eben auch ein Schmerzensgeld.


*Seit Februar 2019 verwende ich vorzugsweise die weibliche Schreibweise: Denken verändert Sprache und Sprache verändert Denken. Willkommen in einer Welt, in der mehr als 50 % der Menschen weiblich sind. Selbstverständlich dürfen sich männliche Menschen stets  gleichberechtigt angesprochen oder gemeint fühlen.

** vernünftige Ausnahmen bestätigen die Regel.

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